"Schüler werden individueller gefördert"

Seit Anfang des Schuljahrs 2014/15 werden vier Klassen an der VS Dornbirn-Markt als Ganztagesklassen geführt. Während man anderorts mit einer Ganztagesklasse pro Schule oder pro Gemeinde zaghaft beginnt, hat die Volksschule Dornbirn Markt mit dem Schuljahr 2013/14 gleich mit vier Ganztagesklassen in verschränkter Form, eine auf jeder Schulstufe, durchgestartet. „Die „Vormittagsschule” passt generell nicht mehr zu den geänderten gesellschaftlichen Bedürfnissen, ganz besonders im urbanen Raum. Im Rahmen unseres Schulentwicklungsprozesses hat sich der Wunsch nach einer verlängerten schulischen Betreuung als vordringlich herausgestellt”, so die Direktorin der VS Dornbirn-Markt, Herta Rosa Lechner. Gemeinsam mit den Pädagoginnen wurde ein Konzept erarbeitet, das den Kindern mehr Zeit für individuelles Üben, gemeinsames Lernen, kreatives Tun, Bewegung, Beziehungen und gemeinsame Freizeit bietet. Ein Konzept das bei Kindern und Eltern derart gut ankam, dass die vier Ganztagesklassen regelrecht „gestürmt” wurden.

 

Positive Zwischenbilanz

 

Jetzt nach einem Semester als Ganztagesschule ist die Begeisterung ungebrochen. „Die ersten Rückmeldungen nach einem halben Jahr mit Ganztagesklassen in verschränkter Form auf jeder Schulstufe bestärken uns bereits, diesen Weg weiterzugehen”, betont die Direktorin. Was die Lehrerinnen vor allem schätzen ist das Mehr an Zeit das ihnen die Möglichkeit gibt, die Kinder viel individueller zu fördern. „Früher gab ich eine gleiche Hausaufgabe für alle Schüler, jetzt gibt es tägliche Lernzeiten während denen jedes Kind individuell arbeitet und dementsprechend unterstützt wird”, so Gerda Ramoser, Drittklasslehrerin. Die Möglichkeit die Kinder persönlicher kennen zu lernen, sehen die Ganztages-Klassenlehrerinnen als weiteren großen Vorteil. Auch bei den Eltern fällt die Bilanz sehr positiv aus. „Wir haben unsere Tochter nicht angemeldet, weil wir eine Betreuung wollten, sondern weil uns das Konzept überzeugt hat. Nach dem ersten Halbjahr sind wir begeistert, unsere Tochter ist weder gestresst noch überfordert und geht auch am Nachmittag gerne in die Schule”, unterstreicht ein überzeugter Papa.

 

Viel mehr Zeit

 

Konkret ist es an der VS Dornbirn-Markt so, dass der Unterricht für die Schüler der Ganztagesklassen mit einer Freiarbeitsphase beginnt, in der individuell gearbeitet und geübt wird. Nach der großen Pause stehen spezifische Inhalte des Gesamtunterrichtes auf dem Programm. In dieser Phase werden neue Themen und Inhalte aller Unterrichtsgegenstände erarbeitet und vertieft. Die Mittagsbetreuung wird von der städtischen Schülerbetreuung organisiert. Die Kinder entscheiden mit ihren Eltern, ob sie die Mittagspause in der Schule oder zu Hause verbringen.

 

 Beliebte Freizeitangebote

 

In den Freizeitstunden, die den Gesamtunterricht und die Lernzeiten auflockern, können die Schüler derzeit zwischen verschiedenen Angeboten wie Kochen, Basketball, Judo oder Kreatives Gestalten wählen.

Auch den Chor oder Musikunterricht der Musikschule können die Kinder nach Wunsch besuchen. Regelmäßige Frische Luft – Zeiten sorgen für Bewegung und einen klaren Kopf.

Der absolute Hit bei den Schülern jedoch ist die „Langeweilestunde” – diese können sie einmal pro Woche klassenübergreifend mit Spielen, Malen, Bewegen, Lesen, oder einfach nur Tratschen – ganz nach den eigenen Wünschen – gestalten. 

 

   

Umfrage: Wie gefällt es dir in der Ganztagesklasse?

 

Julian Barfus, 7 Jahre, erste Klasse.
In der Schule gefällt es mir ganz gut, am liebsten mag ich es, wenn wir lernen. In der Ganztagesklasse hat man keine Hausaufgaben und das finde ich toll. Außerdem haben wir Freiarbeit, Lernzeit und Langeweilestunde. In den Freizeitstunden mache ich Judo und Kreatives Gestalten.

Eda Barda, 8 Jahre, dritte Klasse.
Die Ganztagesklasse gefällt mir besser als die „normale”, weil wir viele Freizeitangebote haben. Es wechselt immer ab, zum Beispiel hat man eine Stunde Rechnen und dann eine Stunde Gitarrenunterricht. Am liebsten mag ich die Langweilestunde, da kann man alles Mögliche ausprobieren oder auch hinausgehen.

Lara Schnetzer, 8 Jahre, zweite Klasse.
Meine Eltern haben gemeint, die Ganztagesklasse sei fein für mich, da sie am Nachmittag nicht immer Zeit haben und mir dann oft langweilig ist. Außer freitags haben wir immer nachmittags Schule und es wird nie langweilig. Ein großer Vorteil ist, dass man mehr Zeit mit seinen Schulfreunden verbringt.

Vedat Demirel, 10 Jahre, vierte Klasse.
Da meine Mama berufstätig ist, ist die Ganztagesklasse ideal für mich. Cool finde ich, dass wir keine Hausaufgaben haben und insgesamt doch mehr lernen. In der Langweilestunde spiele ich oft Schach mit Kindern anderer Klassen. In den Freizeitstunden habe ich Kreatives Gestalten und nächstes Semester Judo.

Gerti Wiedemann, Mama einer Drittklässlerin.
Meine anfängliche Skepsis ist verflogen. Meine Tochter geht sehr gerne in die Schule und liebt es immer Kinder um sich herum zu haben. Vom Konzept mit den verschiedenen Angeboten bin ich begeistert. Dank der optimalen Vorbereitung und des hohen Einsatzes der Lehrerinnen ist der Unterricht kurzweilig und effektiv.

 

Laurence Feider, Artikel im vol.at, 2015