"Wir sind die Frilu Kids"

Die sechs Ganztagesklassen der VS Dornbirn Markt lernen einmal in der Woche an der frischen Luft. 

 Rechter Winkel, Flächenberechnung, Wegbeschreibung, Kreatives Schreiben – alles Dinge, die Kinder „normalerweise“ in der Schule lernen. Nicht so die sechs Ganztagesklassen der Volksschule Dornbirn Markt – hier lernen die Kinder zusätzlich zum Regelunterricht in der Schule einmal in der Woche in der freien Natur. Dann heißt es nämlich „Frilu-Tag“ und der Unterricht wird in den Hermann-Gmeiner-Park verlegt. Und wer einmal einen rechten Winkel aus Ästen und Steinen gelegt hat, der merkt ihn sich bestimmt für immer.

Bei jedem Wetter

„Wir gehen in den Park. Ob`s warm ist oder kalt. Ob`s regnet oder schneit, heut` ist es wieder soweit. FRIIIIIIIIIIIILUUUUUUUUUU Kids“, skandieren die Kinder im Chor, schnüren sich ihren Outdoor-Rucksack um und machen sich zu Fuß auf zum zwanzig Minuten entfernten Hermann-Gmeiner-Park. Mit dabei die Lehrpersonen von jeweils zwei Ganztagesklassen und der Freizeitpädagoge Ismail Ülker. Im Park angekommen wird zuerst gejausnet, bevor es ans Lernen geht. Sowohl Freizeit-, Bewegungs- als GU (Gesamtunterricht)-Einheiten stehen auf dem Programm des dreistündigen Frilu-Halbtags. Das haptische Begreifen und das Lernen mit allen Sinnen stehen dabei im Mittelpunkt.

Lernen mit allen Sinnen

Der Frilu-Tag ist für die sechs Ganztagesklassen im normalen Stundenplan integriert, zum Unterricht an der frischen Luft gehört Mathematik, Deutsch und Sachunterricht. Es werden geometrische Formen mit Naturmaterialien gelegt, Waldbodenbeobachtungen dokumentiert, Tagebücher geführt, Stadtpläne gelegt, Müllwanderungen gemacht und vieles mehr. Der Freiluft-Unterricht findet immer jahrgangsübergreifend für zwei Ganztagesklassen und bei jedem Wetter statt.

Außerschulischer Lernort

Die Idee zum Frilu-Tag hatten die beiden Lehrerinnen Gerda Ramoser und Eva Maria Winder. „Uns war der einmal im Monat stattfindende Frischelufttag gerade für die Schüler der Ganztagesklassen einfach zu wenig. Wir wollten einen außerschulischen Lernort, wo die Kinder gleichzeitig lernen, Natur erleben und sich bewegen können“, so die Pädagoginnen. Die Anforderungen an diesen Ort waren hoch: sowohl wilde als auch „aufgeräumte“ Natur sollte er bieten, über WC-Anlagen sowie einen überdachten Raum verfügen, Sitzgelegenheiten genauso wie Sportmöglichkeiten bieten sowie im Idealfall die Möglichkeit selber etwas zu bepflanzen. Nach einem „Probelauf“ am Zanzenberg traten die Lehrerinnen mit ihrem Anliegen an die Stadt Dornbirn heran. Bei Michael Walter, Andrea Mäser und Sabine Natter-Müller stießen sie auf offene Ohren, großes Verständnis und tolle Unterstützung.

Traumhafter Ort

Mit dem Hermann-Gmeiner-Park wurde die ideale Location gefunden. Der Stadtteilpark mit einer Gesamtfläche von rund 3,7 ha bietet neben naturbelassenen Gebieten auch verschiedene Spiel- und Freizeitmöglichkeiten wie Kinderspielbereich, Tschutterplatz, BMX Parcours, Rollhockeyplatz, Feuerstelle, Rodelhügel etc. Die Volksschüler dürfen die WC-Anlagen und das Vereinsheim des hier angesiedelten Stocksportvereins CdE Dornbirn mitnutzen. Außerdem hat die Stadt Dornbirn extra für die Frilu-Kids drei Hochbeete angelegt, wo sich bereits erste Pflänzchen zeigen.

Große Unterstützung

„Die uneingeschränkte Unterstützung nicht nur seitens unserer Direktorin sondern vor allem auch von Seite der städtischen Verantwortlichen schätzen wir sehr. Gemeinsam mit den Kindern sind wir glücklich über diesen traumhaften Lernort in der Natur“, so die Volksschullehrerinnen. Hätten sie noch einen Wunsch frei, dann wäre es der, dass die Kinder der unteren Schulstufen den Stadtbus für die Fahrt zum Hermann-Gmeiner-Park kostenlos benutzen dürften.

Laurence Feider, März 2017 

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